veröffentlicht in der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung am 25.09.2026
ein Offener Ich-bedank-mich-brief an Friedrich Merz und die Parteien »unserer Demokratie« – mit abschließenden Gedanken zum »Herbst der Entscheidungen«
Liebe CDU, liebe SPD, liebe LINKE und hochgeschätzte GRÜNE, liebe Kämpfer*innen der Neuen Nationalen Einheitsfront!
Nach dem überragenden Wahlerfolg der sachsen-anhaltinischen und mecklenburgischen Alternative für Deutschland, ist es mir ein Bedürfnis, Euch von Herzen für Euren unermüdlichen Wahlkampf für die AfD zu danken! Eure überraschten Gesichter! Wie Ihr kurz nach sechs betroffen in den staatsfunkelnd glänzenden Wahlstudios standet – wahrlich, das war die hohe Schule der Schauspielkunst! Bis zur Schließung der Wahllokale konnte die AfD schließlich auf Eure Hilfe bei der Mobilisierung der Massen zählen. Die AfD hätte einen Besenstiel auf einem ABC-Stepke-Tretroller durch Bitterfeld schieben können – dank Euch wäre auch dann ihr Triumph unabwendbar gewesen.
Mein Dank im Konkreten, und ich möchte mit einem Unbekannten beginnen: Tim Klüssendorf, Generalsekretär der SPD. Du hast Euer Ergebnis von 9,3 Prozent noch am Wahlabend als »stabiles Ergebnis« eingeordnet und damit dafür gesorgt, dass auch der Humor stabil bleibt. Du bist der Sekretär, aber tippen kann ich auch: Das Ergebnis geht noch stabiler! Euer Genosse Klingbeil hat zwar kurz vor den Wahlen nochmal alles geben wollen: Eine Steuer auf alles Süße außer Muttermilch. Gegen die allgemeine Kinderdicke. Damit die Jungs später in die Panzer passen. Leider wurde Klingbeil von konterrevolutionären Subjekten der eigenen Partei ausgebremst: Eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke sei »nicht durchdacht«. Genossen, »nicht durchdacht«, das ist das Markenzeichen aller Versuche, die durch milliardenteure Kanonen geschossenen Haushaltslöcher mit ideologischen Sondersteuern zu stopfen! Denn es geht nicht um »durchdenken«, es geht um ablenken. Ablenken vom Grundsatzprogramm der SPD von 1989, in dem es noch hieß: »Die Strategie der nuklearen Abschreckung muß durch eine Politik der gemeinsamen Sicherheit abgelöst werden.« Den Grundsatz der Friedenspolitik, jetzt habt Ihr ihn endgültig überwunden. Glückwunsch Genossen!
Zweifler wie Stegner und Mützenich habt ihr dialektisch bezwungen, denn Friedenspolitik gilt nur in Friedenszeiten, das sagt ja schon der Name. Mehr noch: Ihr habt den Zweifel abgeschafft! Euer Willy Brandt hat anlässlich einer eher unbedeutenden Preisverleihung gesagt: »Kein nationales Interesse lässt sich heute noch von der Gesamtverantwortung für den Frieden trennen.« Ihr habt Brandt vom Foyer der Parteizentrale auf die Strasse gestellt und einen Zettel umgebunden: »Zum mitnehmen!« Und als AfD und BSW den Friedensnobelpreisträger gemeinsam wegschleppten, habt Ihr gerufen: »Haltet den Dieb!« Kleingeister wie ich hielten das für verlogen. Bis ich erkannt habe: Ihr als Großgeister habt es damit – Hand in Hand mit den anderen Stabilparteien – geschafft, dass ausgerechnet die von Euch geschmähte AfD als einzig verbliebene Friedenspartei wahrgenommen und, noch wichtiger: Gewählt wird. Das war ein Meisterschuss, danke!
Mein besonderer Dank gilt all den Chefredakteuren, die sich zwar nicht direkt im Sinne Lenins als »Funktionäre der Partei«, aber doch als Funktionäre »unserer Demokratie« für die Erziehung des Volkes einspannen lassen. Was heißt hier »einspannen lassen«! Ihr seid die ersten Gäule, die sich aus freiem Willen vor die Kutsche klemmen!
Ein Ulrich aus Tangermünde, »Der gefährlichste Mann Deutschlands«? Wie genial ist das denn! Schließlich heißt der gefährlichste Mann Europas immer noch Ursula.
Mein besonderster Dank gilt aber Dir, lieber kriegstüchtiger Michael Martens, F.A.Z.-Journalist auf X: „Jeder getötete oder verkrüppelte russische Soldat“, „ob jung oder alt“, sei „ein Schritt zum Frieden“ und „ein Sieg für ein freies Europa“ (BLZ, 19.08.26). Michael, Du bist der Beweis: Für einen neuen Faschismus in den Köpfen brauchen wir nicht die AfD! Danke, fühl Dich geherzt!
Danke auch Euch: ZEIT, Heute-Show, Correctiv, Campact, HateAid und angeschlossene Meldeportale! Nur in gemeinsamer Anstrengung konnte es Euch gelingen, jede Frage, jeden Widerspruch, jede Unruhe als »Narrativ« gekennzeichnet in die rechte Ecke zu stellen. Und da stehen sie nun, die Fragen, die Widersprüche, die Unruhen. Und haben gute Laune. Ihr habt »Gesellschaft« gerufen. Aber nur »Gemeinschaft« gemeint. Ihr habt »Vielfalt« gerufen. Aber keine Vielfalt von Meinungen gemeint. Dafür habt Ihr »Einfalt« geerntet. Ihr habt die Einfalt vielfältig vorgelebt. Ihr seid Vorbilder! Ihr Intellektuellen, werdet jetzt nicht leiser! Ihr Bosettis und Kowalczuks, Ihr Böhmermanns und Politische Schönheitszentren, schreit wacker weiter: »Alles Rechtsradikale!« oder auch »Alles Faschisten!« Ihr produziert das Echo, in das sich ein Lachen mischt: Ihr versucht einfache Antworten mit einfachen Antworten zu bekämpfen.
Und Lachen steckt an. Lachen verbindet über Brandmauern hinweg. Gelingen kann das nur in kollektiver Zusammenarbeit: Nur weil der Vorsitzende der Linken Pantisano in der ARD den zugeschalteten Chrupalla als »größte Flachzange, die in Berlin rumläuft« bezeichnet hat, konnte dieser antworten: »Im Gegensatz zu Ihnen, weiß ich wenigstens, was eine Flachzange ist!« Da lacht der Handwerker – und ich mit ihm. Das ist humoristisches Weltniveau! Wie bei Herricht&Preil: Einer muss die Vorlage liefern, damit der andere sie verwandeln kann.
Preil: »Jeder gute Gärtner macht in irgendeiner Ecke seines Gartens einen Haufen.«
Herricht: »Ich weiß ja nicht, was Sie für Leute kennen …«
Und Ihr, liebe Linke, liebe Grüne, ihr seid die besten Gärtner. Ihr habt den Acker bestellt. Ihr macht die größten Haufen: Wenn ein Islamist entgegen seiner Bewährungsauflage in den CSD fährt, wovor warnt Ihr dann? Richtig! Vor rechts! Ihr setzt genau den Haufen Schwachsinn, den die AfD nur noch auflockern muss, damit ein paar neue Wähler herauskrabbeln. Danke für alles, Ihr progressiven Diskriminierungssensibilisierten! Die KI formuliert es für mich Unsensiblen: »Fühlt Euch aus der Ferne ganz achtsam gehalten. Ich bin hier, völlig ohne Erwartungen an Euch.«
Und damit komme ich zu Euch, liebe Christdemokraten. Ich weiß gar nicht, wem ich zuerst danken soll! Lieber Jens Spahn, bei Dir fange ich an. Gratulation zum gelungenen Milcheinschuss! Der ist zwar daneben gegangen, aber dass Du kurz nach dem Abstillen und kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt einen neuen Posten bezogen hast, im Haushaltsausschuss des Bundestages, Respekt! Dort arbeitest Du genau die Affären auf, die Du, noch vor kurzem, als Gesundheitsminister maskiert, vollbracht hast. Ich ziehe meinen Hut vor dieser revolutionären Anstandslosigkeit! »Wir werden uns viel zu verzeihen haben!« Glückwunsch, nun bist Du genau an dem Ort, von dem aus Du Dir selbst verzeihen kannst. Vermutlich sind das genau die politischen Vorgänge, die der Bundeskanzler in Zukunft besser zu erklären die Absicht hat. Danke, nicht nötig! Euer Wahlkampf für die AfD ist selbsterklärend.
And last, but not least: Lieber Friedrich! Mein lieber Friedrich! Wo stünde die AfD ohne Dich? Du wolltest sie halbieren – und hast ihr Ergebnis verdoppelt! Und die CDU halbiert! Mathematiker bezeichnen sowas als Vorzeichenfehler.
Mit beispielloser Empathielosigkeit hast Du jede nörgelnde Krankenschwester aus dem Weg geräumt, hast Dir selbst bei jeder Gelegenheit Mitleid gespendet. Nach Monaten explodierender Spritpreise sagst Du: »Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen.« Na, der Meinung bin ich aber auch, lieber Friedrich! Aber leider kannst Du ja nicht handeln, Du bist ja nur der Bundeskanzler. Du hast halt nichts zu sagen, weil Du nur Reden halten kannst. Aber jetzt – »im Herbst der Entscheidungen« – hast Du doch noch gehandelt: 17 Cent Tankrabatt! Das hilft wirtschaften! Danke, Du halbierende Portion! Am Wahlabend von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern tratest Du vor die Kamera und hast die Bevölkerung beruhigt: Du bleibst! Friedrich, Du bist gerade der einsamste Mensch in Deutschland. Du wohnst noch im Hochsauerland, aber Dein Zuhause ist jetzt Wandlitz. Schlaf gut! Lobend hervorheben möchte ich Deine Fähigkeit zur Selbstreflexion. Du hast in der letzten Generaldebatte selbstkritisch analysiert: Ihr »eigentliches Wahlziel hat die AfD nicht erreicht«, denn »56 Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt haben sie nicht gewählt.« Das ist Dein Vermächtnis, Mahnung und Verpflichtung zugleich – und sollte alle oben Bedankten daran erinnern: Jetzt nicht nachlassen! Der Plan ist noch nicht erfüllt!
Wenn die AfD zur Hoffnung wird, dann seid Ihr die Verzweiflung. Wenn ich als vielleicht nicht linker, sondern eher sozialliberaler Zeitgenosse, mir schon wünsche, dass ich ein kleines Stück von dieser Hoffnung abbekomme, von einer Hoffnung, die doch gar nicht die meine ist … dann, Ihr stabilen Demokraten, kann ich mich nur bedanken! Ich weiß zwar nicht wofür. Aber ich ahne bei wem.
Also: Schreitet weiter voran! Vorwärts und nicht vergessen: Immer die Nase schön oben halten! Sieger schauen nicht nach unten! Und deshalb abschließend ein dringender Ratschlag: Stellt den »Struwwelpeter« in den Giftschrank! Oder, noch sicherer: Schiebt den Struwwelpeter als Gefährder ab! Denn in ihm ist zu lesen, was mit Menschen passiert, die beim voranschreiten die Nase zu weit oben halten.