Gastauftritt Fasnacht in Basel

„Komme gerade zurück aus Basel. Ich war Gastkünstler bei der „Gugge 46“, einer ziemlich aussergewöhnlichen Fasnacht-Veranstaltung in der offenbar sowieso schon aussergewöhnlichen Fasnachtkultur in Basel. Ich, als Karneval-Fasching-Hasser, war vollkommen überwältigt von dem, was ich in Basel erlebt habe. Zunächst die Veranstaltung, die mit dem saublöden Alaaf-Hellau-Geblöke überhaupt nichts zu tun hat, sondern auf künstlerisch höchst anspruchsvolle Weise das politische Geschehen kommentiert hat, die Kunstform der „Schnitzelbängge“ war mir neu: Derb, aber nie unter der Gürtellinie, wurde gespottet und verlacht. Die Schnizelbänggler, es gibt wohl um die 100, tragen dabei Masken und bleiben anonym, keiner weiss, wer sie sind. Danach Enrico Lenzin, ein Loop-Künstler mit Alphorn, Schlagzeug und Gummischwein (sensationell!), jetzt wieder Schnitzelbangg, danach stehen alle Zuschauer auf, drehen sich zur 

Empore und eine russische Sängerin singt die Königin der Nacht (zur Orgel!), dann singen alle gemeinsam, zwischendurch wird nachgeschenkt. Und das Alles in einer Kirche (Elisabethen), die für alle Konfessionen offen ist, auch für das Segnen von Hunden und Katzen. Im Anschluss an die Veranstaltung bin ich mit meiner Gastgeberin Anne in die Basler Altstadt. So etwas Wunderbares hab ich noch nicht erlebt und es fällt mir auch heute noch schwer, das angemessen zu beschreiben. Von überall kamen Musikgruppen mit Piccolo-Flöten und Trommeln, ich hatte das Gefühl, die gesamte Stadt musiziert, Kinder und Alte. Und auch das wieder mit einer ungezwungenen Ausgelassenheit, die nie unangenehm war, Fressbuden hab ich nicht gesehen, natürlich wurde getrunken, aber nie soviel, dass nicht noch anderthalb Kinder auf den Schultern getragen werden konnten. Naja, ein wenig romantisiert ist mein Blick, das kann schon sein. Aber ich stand in diesem Treiben und dachte, es könnte doch alles so schön sein.“